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Vision first: Warum große Projekte beim Menschen beginnen

Im Gespräch mit Frank Steinert von dieFabrik Chemnitz erhalten wir Einblick in einen innovativen Ansatz für Projektentwicklung.
vor 4 days | by Kai Dittmer
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Viele Projektentwicklungen beginnen mit einer Immobilie. Dann wird überlegt, was sich daraus machen lässt. Frank Steinert geht den umgekehrten Weg. Für ihn beginnt ein Projekt mit den Menschen, die den Ort später nutzen werden. Erst wenn klar ist, wer hier in fünf Jahren ein- und ausgeht und welchen Mehrwert dieser Ort für sie schaffen soll, beginnt die eigentliche Projektentwicklung. Erst danach folgen Gebäude, Nutzungskonzept und Umsetzung.

Die Fragestellung lautet also nicht „Was können wir mit diesem Gebäude machen?“, sondern viel eher „Welchen Ort wollen wir schaffen?“

Diese Denkweise prägt den gesamten Entwicklungsprozess. Architektur, Nutzungskonzept und Vermarktung entstehen nicht unabhängig voneinander, sondern zahlen auf dieselbe Vision ein. Deshalb beginnt auch die Geschichte eines Ortes nicht erst mit seiner Eröffnung. Sie beginnt bereits während der Entwicklung indem Menschen eingeladen werden, den Ort kennenzulernen, ihn mitzugestalten und Teil der entstehenden Community zu werden.

Dieser spannende Perspektivwechsel zeigt eine Denkweise, die sich weit über die Immobilienbranche hinaus übertragen lässt. Ob Innovationsprojekt, neues Geschäftsmodell oder Transformationsvorhaben: Wer die Umsetzung um eine ganz klar Zukunftsvision herum gestaltet, schafft innovative, nutzerzentrierte Lösungen.

Perfekte Planung gibt es nicht

Natürlich braucht jedes größere Vorhaben eine fundierte Planung. Gleichzeitig wird es immer Unsicherheiten geben, die sich nicht in Excel-Tabellen oder Projektplänen auflösen lassen. Wer darauf wartet, dass alle Risiken verschwunden sind, wird nie beginnen.

Wirklich erfolgreiche Projekte müssen deshalb einen Sweet Spot zwischen Analyse und Vertrauen treffen. Es geht nicht darum, unüberlegt zu handeln, sondern irgendwann bewusst den Schritt ins Machen zu gehen, obwohl noch nicht jede Variable bekannt ist.

Innovation is a collaborative effort

Eine weitere Erkenntnis aus gelungenen Projekten: Komplexe Herausforderungen lassen sich selten allein lösen. Unterschiedliche Perspektiven, einander ergänzende Kompetenzen und starke Partnerschaften machen aus einer guten Idee ein tragfähiges Projekt. Dafür ist entscheidend, dass jeder seine eigene Stärke einbringt und ein gemeinsames Ziel verfolgt.

Gerade in Innovationsprojekten zeigt sich immer wieder: Netzwerke sind kein Nice-to-have. Sie sind häufig die Voraussetzung dafür, dass aus einer Vision Realität wird.

Menschen machen Projekte lebendig

Ein Projekt ist nicht erfolgreich, weil es fertiggestellt wurde. Es ist erfolgreich, wenn Menschen es annehmen.

Deshalb lohnt es sich, Nutzerinnen und Nutzer nicht erst nach dem Projektabschluss mitzudenken, sondern von Beginn an einzubeziehen. Bei der Fabrik wurden Veranstaltungen organisiert, als das Gebäude noch ein Rohbau war. Die Idee dahinter: Nicht zeigen, was das Gebäude heute ist, sondern was es einmal sein wird. So entsteht Identifikation, lange bevor ein Projekt fertiggestellt ist.

Diese Denkweise lässt sich auf nahezu jedes Innovationsvorhaben übertragen: Wer früh Beziehungen aufbaut, entwickelt Lösungen, die später tatsächlich genutzt werden.

Vision braucht Bewegung

Innovationen entstehen nicht, weil am Anfang bereits jeder Schritt feststeht. Sie entstehen, weil Menschen eine klare Vorstellung davon haben, was sie schaffen wollen und bereit sind, diese Idee Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen.

Planung ist unverzichtbar. Gleichzeitig zeigt jedoch die Erfahrung, dass kein komplexes Projekt exakt nach Plan verläuft. Erfolgreiche Projektentwicklung bedeutet deshalb nicht, starr an der ursprünglichen Lösung festzuhalten. Sie bedeutet, den angestrebten Mehrwert konsequent im Blick zu behalten und den Weg dorthin immer wieder anzupassen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Wer zuerst den Menschen und die spätere Nutzung in den Mittelpunkt stellt, entwickelt nicht einfach Gebäude oder Produkte. Er schafft Orte, Lösungen und Projekte, die langfristig relevant bleiben.

 

Im Rahmen unserer aktuellen Staffel sprechen wir mit verschiedenen Partnern unseres Ökosystems darüber, wie Zusammenarbeit, Innovation und Transformation in der Praxis gelingen. Aktuell erscheint jede Woche eine neue Folge.

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Dominik Baumann Managing Director
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