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Warum Gamification der Schlüssel für moderne Banken ist

Was haben Spielmechaniken mit Banking zu tun? Robert Liebtrau von WG-DATA erklärt, wie Gamification Mitarbeitende für Veränderungen begeistert, KI greifbar macht und gleichzeitig neue Möglichkeiten für moderne Kundenerlebnisse eröffnet.
vor 12 Minuten | von Kai Dittmer
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Die Finanzbranche gilt traditionell als stabil, stark reguliert und auf höchste Seriosität bedacht. Begriffe wie „Spielen“ oder „Gamification“ scheinen da auf den ersten Blick fehl am Platz zu sein. Doch das ist ein Trugschluss. Gamification bedeutet keinesfalls, dass in der Banking-App auf einmal Pixelhelden Monster verjagen. Vielmehr handelt es sich um den gezielten Transfer von Spielmechanismen in unternehmensbezogene und spielfremde Kontexte, um definierte Ziele zu erreichen. Einfach ausgedrückt machen Systeme wie High Scores oder Level Ups alltägliche Aufgaben motivierender und führen zu positiven Erlebnissen.

Gamification ist keine kurzlebige Spielerei, sondern ein hochgradig strategisches Instrument, um sowohl die Kundenbindung als auch die Motivation von Mitarbeitenden nachhaltig zu stärken. Robert Liebtrau von der WG-DATA beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit dem Thema und teilt dieses wertvolle Wissen mit uns.

Der Weg ist das Ziel: Die Psychologie hinter Spielen

Ein häufiges Missverständnis ist, dass uns nur das Erreichen eines großen Ziels motiviert und glücklich macht. Die Betrachtung von Spielprozessen zeigt jedoch, dass Glückshormone wie Endorphine primär während des Prozesses ausgeschüttet werden, nicht erst beim finalen Abschluss. Ein greifbares Beispiel sind Fitness-Tracker: Das gute Gefühl entsteht bereits beim schrittweisen Füllen des Schrittzählers über den Tag hinweg und nicht erst am Abend, wenn das Ziel schließlich abgehakt wird. Übertragen auf den Bankenalltag bedeutet das, dass der Weg zum Ziel (egal ob bei der Steigerung von Vertriebszahlen oder dem Erlernen neuer Regularien) durch direktes Feedback und positive Emotionen gestützt werden muss, um eine langfristige Wirkung zu erzielen.

Einige Neobanken machen dies bereits vor: Komplexe und erklärungsbedürftige Finanzprodukte, wie etwa Kryptowährungen, werden den Kundinnen und Kunden durch interaktive Quiz-Formate mittels App nähergebracht. Anstatt nur trockene Informationen zur Verfügung zu stellen, werden Nutzende stufenweise an das Wissen herangeführt und können am Ende als Preis sogar kleine Beträge der Kryptowährung gewinnen. Die Effekte sind gleich doppelt wertvoll: Die Nutzerinnen und Nutzer werden für neue Produkte sensibilisiert und binden sich gleichzeitig emotional an das Unternehmen.

Die richtige Balance schaffen

Eine wichtige Grundlage dafür bildet das Flow-Konzept aus der Psychologie. Menschen arbeiten besonders konzentriert und motiviert, wenn Anforderungen und Fähigkeiten im Gleichgewicht sind. Sind Aufgaben dauerhaft zu anspruchsvoll, entstehen Frustration und Überforderung. Sind sie zu einfach, sinken Aufmerksamkeit und Motivation. Man spricht hierbei auch von Burn-Out bzw. Bore Out. Ein gutes Gamification-Konzept erhält eine Balance aufrecht. Es passt Herausforderungen schrittweise an den Lernfortschritt an und unterstützt Mitarbeitende dabei, ihre Komfortzone kontinuierlich zu erweitern, ohne sie dabei zu überfordern.

Nicht alle Menschen motiviert das Gleiche

Ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass Menschen aus unterschiedlichen Motiven handeln. Der Game-Designer Richard Bartle unterscheidet vier grundlegende Spielertypen: Achiever, Killer, Socializer und Explorer. Achiever sammeln gerne Punkte und Auszeichnungen. Killer messen sich im Wettbewerb mit anderen. Socializer legen Wert auf Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung, während Explorer Freude daran haben, Neues zu entdecken und Zusammenhänge zu verstehen.

Viele Unternehmen konzentrieren sich bei Gamification fast ausschließlich auf Punktesysteme und Ranglisten. Damit sprechen sie jedoch nur einen Teil der Belegschaft an. Erfolgreiche Konzepte berücksichtigen deshalb alle Motivationstypen. Im Vertriebsalltag bedeutet das beispielsweise, nicht nur Verkaufserfolge sichtbar zu machen, sondern auch Zusammenarbeit, Wissensaustausch oder gegenseitige Unterstützung anzuerkennen.

KI spielerisch erleben

Wie wirkungsvoll dieser Ansatz sein kann, zeigt ein Projekt von WG-DATA. Das Team um Robert Liebtrau bietet Unternehmen eine interaktive Prompt-Challenge, um Berührungsängste gegenüber KI-Tools wie Microsoft Copilot spielerisch abzubauen. In einem fiktiven Bankenszenario lösen Teilnehmende dazu einen Kriminalfall, bei dem Verträge und Kalkulationen nicht zusammenpassen. Ein wichtiger Aspekt dabei: Storytelling. So werden aus Bankmitarbeitern waschechte Geheimagenten, die einen Finanzskandal aufdecken.

In bisherigen Sessions des Formats erweiterten die teilnehmenden Teams innerhalb von 90 Minuten ihre Prompting-Kompetenzen, nutzten KI zur Analyse komplexer Informationen und ließen sich ihre Ergebnisse automatisch als Präsentationen aufbereiten. Statt klassischer Schulungen entstand ein motivierendes Lernerlebnis, das den praktischen Nutzen der Technologie unmittelbar erfahrbar machte.

Veränderung darf Spaß machen

Das Praxisbeispiel der WG-DATA zeigt: Transformation muss nicht aus trockenen Schulungen oder langen Handbüchern bestehen. Richtig eingesetzt kann Gamification Veränderungen erlebbar machen, Motivation fördern und den Kompetenzaufbau nachhaltig unterstützen. Gleichzeitig bietet der Ansatz Potenzial, auch Kundenerlebnisse intuitiver, interaktiver und damit nachhaltiger zu gestalten. Wer Gamification als strategisches Werkzeug versteht und einsetzt, schafft Mehrwert für Mitarbeitende ebenso wie für Kundinnen und Kunden.

 

Im Rahmen unserer aktuellen Staffel sprechen wir mit verschiedenen Partnern unseres Ökosystems darüber, wie Zusammenarbeit, Innovation und Transformation in der Praxis gelingen. Aktuell erscheint jede Woche eine neue Folge.

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Dominik Baumann Geschäftsführer
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